Johann Sebastian Bach Zerreißet, zersprenget, zertrümmert die Gruft Der zufriedengestellte Aeolus (Éole apaisé)
dramma per musica BWV 205
Cette œuvre, composée sur un livret de Christian Friedrich Henrici (Picander), a été
créée à l'université de Leipzig le 3 août
1725, pour l'anniversaire du Professeur August Friedrich
Müller.
Schwäbischer Singkreis Stuttgart Ton-Studio Orchestra Stuttgart Direction Hans
Grischkat
Kaethe Nentwig (soprano) Ruth Michaelis
(alto) Werner Hohmann (ténor) Franz Kelch (basse)
Reinhold Barchet, violon Fridrich Milde, hautbois Karl-Friedrich Mess, flûte Hans Langer, trompette Tonstudio Orchester Stuttgart Schwäbische Singkreis
Zerreißet, zersprenget, zertrümmert die Gruft, Die unserm Wüten Grenze gibt! Durchbrechet die Luft, Dass
selber die Sonne zur Finsternis werde, Durchschneidet die Fluten, durchwühlet die Erde, Dass sich der Himmel selbst betrübt!
(Recitativo) Aeolus
Ja! ja! Die Stunden sind nunmehro nah, Dass ich euch treuen Untertanen Den Weg aus eurer Einsamkeit Nach bald geschlossner
Sommerszeit Zur Freiheit werde bahnen. Ich geb euch Macht, Vom Abend bis zum Morgen, Vom Mittag bis zur Mitternacht Mit eurer Wut zu rasen, Die
Blumen, Blätter, Klee Mit Kälte, Frost und Schnee Entsetzlich anzublasen. Ich geb euch Macht, Die Zedern umzuschmeißen Und
Bergegipfel aufzureißen. Ich geb euch Macht, Die ungestümen Meeresfluten Durch euren Nachdruck zu erhöhn, Dass das Gestirne
wird vermuten, Ihr Feuer soll durch euch erlöschend untergehn.
(Aria)
Wie will ich lustig lachen, Wenn alles durcheinandergeht! Wenn selbst der Fels nicht sicher steht Und wenn die Dächer
krachen, So will ich lustig lachen!
(Recitativo) Zephyrus
Gefürcht'ter Aeolus, Dem ich im Schoße sonsten liege Und deine Ruh vergnüge, Lass deinen harten Schluss Mich
doch nicht allzufrüh erschrecken; Verziehe, lass in dir, Aus Gunst zu mir, Ein Mitleid noch erwecken!
(Aria)
Frische Schatten, meine Freude, Sehet, wie ich schmerzlich scheide, Kommt, bedauret meine Schmach! Windet euch, verwaisten
Zweige, Ach! ich schweige, Sehet mir nur jammernd nach!
(Recitativo) Aeolus
Beinahe wirst du mich bewegen. Wie? seh ich nicht Pomona hier Und, wo mir recht, die Pallas auch bei ihr? Sagt, Werte,
sagt, was fordert ihr von mir? Euch ist gewiss sehr viel daran gelegen.
(Aria) Pomona
Können nicht die roten Wangen, Womit meine Früchte prangen, Dein ergrimmtes Herze fangen, Ach,
so sage, kannst du sehn, Wie die Blätter von den Zweigen Sich betrübt zur Erde beugen, Um ihr Elend abzuneigen, Das an ihnen soll
geschehn
(Recitativo) Pomona
So willst du, grimmger Aeolus, Gleich wie ein Fels und Stein Bei meinen Bitten sein?
Pallas
Wohlan! ich will und muss Auch meine Seufzer wagen, Vielleicht wird mir, Was er, Pomona, dir Stillschweigend abgeschlagen, Von
ihm gewährt.
Pallas, Pomona
Wohl! wenn er gegen {mich,dich} sich gütiger erklärt.
Pallas
Angenehmer Zephyrus, Dein von Bisam reicher Kuss Und dein lauschend Kühlen Soll auf meinen Höhen spielen. Großer
König Aeolus, Sage doch dem Zephyrus, Dass sein bisamreicher Kuss Und sein lauschend Kühlen Soll auf meinen Höhen spielen.
(Recitativo) Pallas
Mein Aeolus, Acht störe nicht die Fröhlichkeiten, Weil meiner Musen Helikon Ein Fest, ein' angenehme Feier Auf
seinen Gipfeln angestellt.
Eolus
So sage mir: Warum dann dir Besonders dieser Tag so teuer, So wert und heilig fällt? O Nachteil und Verdruss! Soll
ich denn eines Weibes Willen In meinem Regiment erfüllen?
Pallas
Mein Müller, mein August, Der Pierinnen Freud und Lust
Eolus
Dein Müller, dein August!
Pallas
Und mein geliebter Sohn,
Eolus
Dein Müller, dein August!
Pallas
Erlebet die vergnügten Zeiten, Da ihm die Ewigkeit Sein weiser Name prophezeit.
Eolus
Dein Müller! dein August! Der Pierinnen Freud und Lust Und dein geliebter Sohn, Erlebet die vergnügten Zeiten, Da
ihm die Ewigkeit Sein weiser Name prophezeit: Wohlan! ich lasse mich bezwingen, Euer Wunsch soll euch gelingen.
(Aria) Eolus (Aria)
Zurücke, zurücke, geflügelten Winde, Besänftiget euch; Doch wehet ihr gleich, So weht doch itzund
nur gelinde!
(Recitativo : Pallas, Pomona, Zephyrus) Pallas
Was Lust!
Pomona
Was Freude!
Zephyrus
Welch Vergnügen!
Tous
Entstehet in der Brust, Dass sich nach unsrer Lust Die Wünsche müssen fügen.
Zephyrus
So kann ich mich bei grünen Zweigen Noch fernerhin vergnügt bezeigen.
Pomona
So seh ich mein Ergötzen An meinen reifen Schätzen.
Pallas
So richt ich in vergnügter Ruh Meines Augusts Lustmahl zu.
Pomona, Zephyrus
Wir sind zu deiner Fröhlichkeit Mit gleicher Lust bereit.
(Arie, duetto) Pomona
Zweig und Äste Zollen dir zu deinem Feste Ihrer Gaben Überfluss.
Zephyrus
Und mein Scherzen soll und muss, Deinen August zu verehren, Dieses Tages Lust vermehren.
Pomona, Zephyrus
Ich bringe die Früchte, mein Lispeln mit Freuden herbei,
Ensemble
Dass alles zum Scherzen vollkommener sei.
(Recitativo) Pallas
Ja, ja! ich lad euch selbst zu dieser Feier ein: Erhebet euch zu meinen Spitzen, Wo schon die Musen freudig sein Und
ganz entbrannt vor Eifer sitzen. Auf! lasset uns, indem wir eilen, Die Luft mit frohen Wünschen teilen!
Chœur
Vivat August, August vivat, Sei beglückt, gelehrter Mann! Dein Vergnügen müsse blühen, Dass dein
Lehren, dein Bemühen Möge solche Pflanzen ziehen, Womit ein Land sich einstens schmücken kann.